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Was ist charakteristisch für die Germanistik an der MLU in Halle?

Es gibt vier Schwerpunkte der Germanistik: Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft, Altgermanistik und Fachdidaktik. Leider sind die diesen Schwerpunkten entsprechenden Abteilungen des Instituts nicht im selben Gebäude untergebracht: Die Sprachwissenschaft residiert in einem Gebäude in der Nähe des Universitätsplatzes, die anderen drei Abteilungen befinden sich in einer schönen Villa aus der Gründerzeit, die in einem begehrten Wohnviertel (zu Fuß etwa 20 Min. vom Universitätszentrum entfernt) liegt. Hier befindet sich auch die Institutsbibliothek. Seminarräume gibt es in beiden Gebäuden.

Was kennzeichnet die Literaturwissenschaft?

Drei Themenbereiche sind für Forschung und Lehre kennzeichnend:
  • Die Literatur der Aufklärung
    Aus der herausragenden Bedeutung, die der halleschen Reformuniversität in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zukam, leitet sich eine Konzentration auf die Zeit der Aufklärung her. Mehrere LiteraturwissenschaftlerInnen des Germanistischen Instituts sind zugleich Mitglieder des "Interdisziplinären Zentrums für die Erforschung der Europäischen Aufklärung" (IZEA) der Martin-Luther-Universität.
  • Rhetorik
    Auch Rhetorik bildet einen Schwerpunkt, vor allem in der Forschung (vgl. Schriftenverzeichnis von Manfred Beetz).
  • Literatur der DDR
    Die Abteilung Literaturwissenschaft ist in literarischen und wissenschaftlichen Projekten den "Wechselseitigen Wahrnehmungen ost- und westdeutscher Autoren" nach der Wende nachgegangen; dazu fand 1995 eine viel beachtete Tagung statt. In der Folge fand das von der DDR-Literatur zur gesamtdeutschen Literatur erweiterte Feld verstärkte Aufmerksamkeit. Seminaristisch vorbereitete Lese- und Gesprächsreihen mit Schriftstellern und Schriftstellerinnen aus unterschiedlichen Generationen und Regionen gaben der interessierten Öffentlichkeit in Halle Gelegenheit, Entwicklungen auf dem Gebiet der Gegenwartsliteratur in den 90er Jahren zu verfolgen.
Im Wintersemester 2002/03 ist ein vierter Schwerpunkt hinzugekommen: Bezüge deutscher Literatur zu Literaturen anderer Länder ("Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft").


Was kennzeichnet die Sprachwissenschaft?

Hier kann man fünf Schwerpunkte benennen:
  • Grundlagenforschung zur Pragmatik, Text- und Gesprächslinguistik
  • Angewandte, berufsorientierte Linguistik
  • Neue Medien
  • Lexikologie
  • Deutsch als Fremdsprache
Die Sprachwissenschaft als Teilgebiet der Germanistik beschäftigt sich mit der deutschen Sprache in ihrer Struktur, ihrer Funktion und ihrem Gebrauch. Ihre Untersuchungsgebiete sind z. B. die Bildung von Wörtern (Morphologie, Lexikologie) und Äußerungen (Syntax), die Bedeutung sprachlicher Einheiten (Semantik) und deren lautliche Gestaltung (Phonologie) sowie ihr Gebrauch (Pragmatik, Text- und Gesprächslinguistik).

Wissen darüber ist in vielen Berufen anwendbar, z. B. als Web-Designer, PR-Berater, Deutschlehrer, Journalist und Kulturmittler. Die Berufsorientierung wird besonders betont in dem neuen Magisterstudiengang "Wissenskommunikation. Berufsorientierte Linguistik im interkulturellen Kontext (BLIK)".


Was kennzeichnet die Altgermanistik?

Die hallesche Altgermanistik zeichnet sich durch eine konsequente Einbettung sprach- und literaturhistorischer Fragestellungen in übergreifende kulturgeschichtliche Entwicklungen sowie durch die Berücksichtigung regionaler und volkskundlicher Aspekte aus. Im Zentrum von Forschung und Lehre stehen insbesondere die Grammatik des Mittelhochdeutschen und die frühneuhochdeutsche Lexikographie.


Was kennzeichnet die Fachdidaktik?

In Sachsen-Anhalt ist Fachdidaktik ein integraler Bestandteil des Studiums aller Schulfächer. Beim Lehramtsstudium umfasst die Fachdidaktik etwa 15% des Germanistik-Studiums! Schon darin zeigt sich, dass das Lehramtsstudium sich hier durch einen hohen Praxisbezug auszeichnet. Dem dienen auch die vorgeschriebenen Schulpraktischen Übungen und zwei vierwöchige Schulpraktika, die von Mitarbeitern des Germanistischen Instituts betreut werden.

Der Praxisbezug zeigt sich auch darin, dass es an der MLU ein wissenschaftliches "Zentrum für Schulforschung und Fragen der Lehrerbildung" gibt, in dem Fachdidaktiker und Erziehungswissenschaftler zusammenarbeiten. Die Didaktik hat also auch institutionell eine Brückenfunktion: Einerseits gehört sie zum Germanistischen Institut, andererseits ist sie über das "Zentrum" mit der Erziehungswissenschaft verbunden.

Außer dem Praxisbezug ist für das Studium der Fachdidaktik in Halle noch charakteristisch:
  • Es liegt eine dreibändige Publikation vor "Zur Didaktik und Methodik des Deutschunterrichts", an der man sich orientieren kann. Außerdem gibt es in jedem Semester eine einstündige Einführungsvorlesung in die Fachdidaktik Deutsch mit wechselnden Schwerpunkten.
  • Der mündlichen Zwischenprüfung liegt ein Katalog von Fragen zugrunde, an dem man sich orientieren kann, sodass man genau weiß, was man im Grundstudium lernen muss.
  • Es werden Seminare und Workshops angeboten, in denen man sprachliche und literarische Fähigkeiten üben kann, die man in der Schule - und nicht nur dort! - braucht: Reden, Erzählen, vor allem Schreiben. Das Studium dient also nicht nur dem Erwerb von Kenntnissen, sondern auch der Erweiterung praktischer Fähigkeiten.
  • Die Seminare sind meistens klein, sodass jede und jeder zum Zug kommt. Und Hausarbeiten werden gründlich gelesen, nach kurzer Zeit zurückgegeben und besprochen.
  • Auch sonst ist die Betreuung intensiv und individuell.


 



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